Saubere Luft für unsere Zukunft

Der neueste UNO-Klimabericht schreckt auf! Die Luftverschmutzung hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit, das Ökosystem und die Volkswirtschaft. Sie und die mit ihr verbundene Klimaveränderung müssen dringend gestoppt werden.
Für die zunehmende Luftverschmutzung sind verschiedene Stoffe verantwortlich. Es sind dies vor allem:
1. Kohlendioxid (CO2 ) und weitere „Treibhausgase“ wie Methan (CH4) oder Lachgas (N2O)
2. Stickoxide (NO und NO2 = NOx ) und flüchtige organische Verbindungen (VOC), als Folge davon Bildung von zuviel Ozon (O3)
3. Ammoniak (NH3)
4. Feinstaub (PM10)
5. Kohlenmonoxid (CO) und Schwefeldioxid (SO2)
1. Kohlendioxid
Einleitung
Kohlendioxid (CO2) ist eine chemische Verbindung, ein farbloses, unbrennbares, schwach säuerlich riechendes Gas und ein natürlicher Bestandteil der Luft. Der Kohlenstoffkreislauf - und als wichtiger Teil davon der Kohlendioxid-Kreislauf - ist einer der wichtigsten Stoffkreis- läufe der Natur: Er transportiert den für alle Lebewesen notwendigen Kohlenstoff zwischen Luft, Boden und Wasser.
Problematik
Gegenüber dem biologischen Kohlendioxidkreislauf sind die übrigen Umsätze von Kohlenstoff, auch durch die anthropogene Verbrennung des Kohlenstoffes von Brenn- und Treibstoffen (mehrheitlich fossiler Brennstoffe wie Kohle, Diesel, Heizöl, Benzin, Erdgas ), zwar verschwindend klein, aber wegen der langen Lebensdauer des Kohlendioxides in der Atmosphäre umso folgenreicher. Die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre ist denn auch seit vorindustrieller Zeit von rund 280 ppm (part per Million, d.h. 0.028 vol%) auf heute rund 370 ppm gestiegen! Der Methangehalt stieg von rund 700 ppb (part per Billion) auf 1750 ppb! Kohlendioxid ist neben Methan als wichtigstes klimarelevantes Spurengas massgeblich an der Regulation des irdischen Wärmehaushaltes beteiligt. Kohlendioxid verändert den Strahlungshaushalt der Erde, indem es die kurzwelligen Sonnenstrahlen fast ungehindert auf die Erdoberfläche passieren lässt, währenddem die langwellige, von der Erde verursachte Wärmestrahlung teilweise absorbiert wird. Diese Eigenschaft macht Kohlendioxid zu einem Treibhausgas. Nach Wasserdampf ist Kohlendioxid das bedeutendste der Treibhausgase. Durch eine weitere Erhöhung des Kohlendioxids in der Atmosphäre ist eine Zunahme der globalen Temperaturen zu erwarten. Um gravierende Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu vermeiden, ist aber alles zu tun, um den Anstieg unter 3° zu halten.
Massnahmen
Die Zunahme des Kohlendioxid-Anteils in der Luft kann wie folgt reduziert werden:
- Kontinuierlicher Ersatz von fossilen Energieträgern durch erneuerbare Energien und CO2-neutrale Brennstoffe
- Reduktion des Kohlendioxid-Ausstosses bei Transportmitteln (Pkw, Lkw, Traktoren, Flugzeuge, Schiffe, etc.) durch Verbrauchsminderung und alternative Treibstoffe
- Verminderung des Heizaufwands und damit verbunden weniger CO2-Ausstoss im Gebäudebereich durch die Sanierung von Gebäudehüllen, durch alternative Heizsysteme (Wärmepumpen, Solaranlagen) und durch die vermehrte Förderung des Minergie-Baustandards.
2. Stickoxide / VOC / Ozon
Einleitung
Stickoxide (NOx) ist eine Sammelbezeichnung für die gasförmigen Oxide des Stickstoffs. In der Luftreinhaltung versteht man darunter die beiden Formen Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2). Stickoxide stammen hauptsächlich aus Verbrennungsprozessen (Verbrennungsmotoren und Feuerungen). Die Freisetzung erfolgt vor allem in Form von Stickstoffmonoxid (NO). Es wird in der Atmosphäre in Stickstoffdioxid (NO2) umgewandelt.
Flüchtige organische Verbindungen (VOC = volatile organic compounds) ist die Sammelbezeichnung für organische, kohlenstoffhaltige Stoffe, welche leicht verdampfen (flüchtig sind) bzw. schon als Gas bei niedrigen Temperaturen (z.B. Raumtemperatur) vorliegen. Es handelt sich um eine vielfältige Stoffgruppe (Benzin, Alkohol, Verdünner, etc.). Die VOC stammen zur Hauptsache aus Industrie und Gewerbe sowie aus unvollständiger Verbrennung in Feuerungen und Verbrennungsmotoren.
Ozon (O3) ist ein starkes Oxidationsmittel und ein aggressives Gas. Stickoxide und VOC führen bei hohen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung zu übermässiger Ozonbildung.
Problematik
Stickoxid, VOC und Ozon sind gesundheitsgefährdende Verbindungen. Sie führen zu Erkrankungen der Atemwege und Kreislaufbelastungen. Die direkte Wirkung von VOC ist entsprechend der Vielfalt der Stoffe ebenso vielfältig. Viele dieser Stoffe sind sogar krebserregend oder krebsfördernd. Ozon ist zudem eine stark pflanzenschädigende Verbindung. Stickoxide tragen generell zur Überdüngung und zur Versauerung von Böden und Gewässern bei.
Massnahmen
Stickoxide können vor allem durch Verbesserungen bei Verbrennungsprozessen reduziert werden. Substanzielle Senkungen können durch neuzeitliche Antriebskonzepte und entsprechende Verhaltensänderungen erreicht werden. Dabei ist zu beachten, dass Holzfeuerungen, Biogasmotoren für stationäre Anlagen und Dieselmotoren anstelle von Benzinmotoren die NOx-Emissionen erhöhen, wenn nicht zusätzliche Massnahmen getroffen werden. Bei den flüchtigen organischen Verbindungen sind die technischen Möglichkeiten im Bereich von Industrie und Gewerbe (Abluftreinigung, VOC-arme oder VOC-freie Verfahren) weitgehend ausgereizt. Die Verordnung über die Lenkungsabgabe auf flüchtigen organischen Verbindungen und die Luftreinhalteverordnung fördern den Verzicht auf VOC.
3. Ammoniak
Einleitung
Ammoniak (NH3) ist ein stark riechendes, farbloses und giftiges Gas. Es entsteht bei Abbauprozessen unter Luftabschluss oder Luftmangel, insbesondere beim Eiweissabbau von Exkrementen. Ammoniak stammt zu rund 90 % aus der Tierhaltung. Hauptverursacher sind Rindvieh (74 %), Schweine (17 %) und Geflügel (5 %). Freigesetzt wird Ammoniak durch die Hofdüngerausbringung (58 %), im Stall (27 %), bei der Lagerung von Exkrementen (12 %) sowie im Laufhof und auf Weiden (3 %). Aufgrund ergriffener Massnahmen und gesunkener Tierzahlen in der Schweiz, insbesondere beim Rindvieh und bei den Schweinen, hat sich der Ammoniakausstoss ab 1990 bis 2000 um 19 Prozent reduziert. Eine weitere Reduktion der Tierzahlen macht aber keinen Sinn, da dadurch das Problem lediglich ins Ausland, vor allem auch in die Dritte Welt, wo wesentlich geringere Umweltstandards gelten, verlagert würde. Auch die Versorgung mit einheimischen Lebensmitteln wäre nicht mehr gewährleistet.
Problematik
Ammoniak reizt die Schleimhäute und führt zu Atemwegserkrankungen bei Mensch und Tier. In der Tierhaltung vermindert Ammoniak die Leistungsfähigkeit bei der Milch-, Eier- und Fleischproduktion. Durch Ammoniak werden Ökosysteme (nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen wie Wälder, Rieder, Moore, etc.) überdüngt. Das schädliche Gas sorgt zudem für die Versauerung von Böden und erhöht die Anfälligkeit von Pflanzen auf Krankheiten und Schädlinge. Ammoniak fördert auch die Bildung von Feinstaub.
Massnahmen
Die schädlichen Auswirkungen von Ammoniak werden am besten an jenen Orten reduziert oder unterbunden, bei denen der grösste Anfall zu verzeichnen ist. Massnahmen sind somit vor allem bei der Hofdünger-Ausbringung auf die Felder, im Stall und bei der Lagerung sinnvoll. Generell ist festzuhalten, dass tiefe Temperaturen die Ammoniak-Emissionen verringern. Grundsätzlich muss jene Zeit reduziert werden, bei welcher der Hofdünger mit der Luft in Verbindung kommt. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich folgende Massnahmen ableiten:
Ausbringung von Hofdünger:
Gülle ist nach Möglichkeit im Frühjahr und Spätsommer auszubringen oder bei kühler, windarmer Witterung und bedecktem Himmel sowie bei oder kurz vor geringen Niederschlägen. Optimal wäre es, die Gülle bodennah z. B. mit dem Schleppschlauch auszubringen oder direkt in den Boden einzudrillen.
Stall und Laufhof:
Im Sommer sollten die Tiere viel auf der Weide und nur selten im Laufhof gehalten werden, und der Laufhof ist möglichst zu beschatten. Die Böden im Stall und Laufhof sollten an warmen und trockenen Tagen öfters gereinigt werden, und bei Um- und Neubauten ist für einen raschen Harnabfluss in die Güllebehälter zu sorgen. Wirksam kann auch eine bedarfsgerechte, angepasste Fütterung (v. a. bei Schweinen) sein.
Lagerung von Hofdünger:
Die Schwimmschicht ist in offenen Behältern zu belassen und Gülle so wenig wie möglich zu rühren. Offene Güllesilos sollten im Sommer leer gehalten oder abgedeckt werden. Die Separierung der Gülle von festen und flüssigen Stoffen ist anzustreben. Die Lagerung von Gülle mit geringer Neigung zur Bildung einer Schwimmdecke (Schweinegülle) hat in jedem Fall geschlossen zu erfolgen.
4. Feinstaub (PM 10)
Einleitung
Unter der Bezeichnung PM10 (particulate matter, partikuläres Material) versteht man Teilchen mit einem aerodynamischen Durchmesser kleiner oder gleich 10 Mikrometern. Diese und ganz speziell die kleinsten Teilchen dieser Fraktion (Nanopartikel, z.B. Dieselruss) können von den Schleimhäuten im Nasen/Rachenraum bzw. den Härchen im Nasenbereich nur bedingt zurückgehalten werden, währenddem gröbere Partikel keine Belastung der Atemwege darstellen.
Als Quellen von Feinstaub gelten alle Verbrennungsvorgänge. Dabei entstehen Russ, Asche und gasförmige Verbrennungsprodukte, insbesondere Stickoxide und Schwefeldioxid, aber auch unvollständig verbrannte Kohlenwasserstoffe. Diese Emissionen sind wegen ihrer Zusammensetzung besonders gesundheitsgefährdend. Grob gesehen stammen etwa je die Hälfte der direkt emittierten Partikel einerseits aus Verbrennungsprozessen und ande rerseits von Abrieb oder Aufwirbelung.
Vor allem Dieselmotorabgase und Feststoff-Feuerungen (Holz) sind bedeutende Quellen problematischer Feinstäube. Daneben sind auch Emissionen durch Abrieb und Aufwirbelung (Verkehr, Materialumschlag, etc.) von Feinstaub zu beachten. Wichtig ist auch der Beitrag der sekundären Partikel, die sich aus gasförmigen Emissionsbestandteilen wie Stickoxiden und Schwefeldioxid aber auch Ammoniak bilden.ProblematikFeinstaub (PM10) schädigt die Gesundheit. Für PM10 gibt es keine Unbedenklichkeitsgrenze. Jede Erhöhung der Feinstaubbelastung führt zu häufigeren Erkrankungen der Atemwege und Herz-Kreislaufbelastungen. Die feinsten Partikel können sogar ins Blut und in alle Organe gelangen, entsprechende Folgen sind noch nicht absehbar. Neuerdings hat man festgestellt, dass solche Feinstaubpartikel über die Riechnerven zudem direkt in das Gehirn eindringen können.MassnahmenDie Emissionen sind an der Quelle zu bekämpfen. Dies erfordert strenge Abgasnormen für alle Arten von Fahrzeugen und Maschinen. Neufahrzeuge respektive Dieselmotoren sind möglichst standardmässig mit Partikelfiltern auszurüsten. Um die Feinstaubbelastung innert nützlicher Frist weiter zu senken, sind Nachrüstungen von Dieselmotoren im Rahmen einer technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit zu prüfen. Auch Holzfeuerungen sind bedeutende Verursacher von Feinstaub. Eine massive Reduktion ist nur durch technische Massnahmen mit Filtern (bei grösseren Feuerungsanlagen) und eine verbesserte Technik bei Kleinanlagen möglich. Kleine Feuerungen sind ebenfalls regelmässig zu kontrollieren, weil der Zustand und Betrieb solcher Anlagen und die verwendeten Brennstoffe grossen Einfluss auf die Emissionen haben. Offene Feuer im Freien sindbei bereits hoher Feinstaubbelastung zu vermeiden. Im Bereich Industrie und Gewerbe ist der neueste Stand der Entstaubungstechnik im Rahmen der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit gesetzeskonform durchzusetzen (Luftreinhalteverordnung) und zu überwachen (Emissionskontrollen).
5. Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid
Bei diesen Schadstoffen sind in den letzten zwanzig Jahren massive Reduktionen erreicht worden. Es ist wichtig, durch konsequente Beobachtung und Vollzug der Luftreinhalteverordnung diesen Stand zumindest zu halten.
Kernaussagen der SVP Thurgau

Zu einer intakten Umwelt gehört insbesondere auch saubere, naturbelassene Luft. Die Luft ist für die meisten Landlebewesen mengenmässig der wichtigste Betriebsstoff. Ein Mensch braucht pro Tag acht bis zehn Kilogramm Luft. Ohne Luft können wir nur gerade etwa drei Minuten existieren. Die stoffliche Zusammensetzung der Atmosphäre ist entscheidend für die Lebensbedingungen auf unserem Planeten und macht diesen zusammen mit dem Wasser so einzigartig. Die Stoffe und Gase, welche zur Luftverschmutzung beitragen, sind bekannt. Verbesserungsmassnahmen sind möglich, sie müssen jedoch vernünftig umgesetzt werden.
Das 10-Punkte-Programm der SVP Thurgau:

- Energiesparen als höchstes Ziel, denn nur Energie, die nicht verbraucht wird, belastet unsere Umwelt nicht.
- Reduktion im Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern.
- Förderung von umweltfreundlichen Energien unter Beachtung allfälliger negativer Nebenwirkungen.
- Verbesserung des Baustandards (Minergie).
- Vermehrter Einsatz von umweltfreundlichen Technologien und Antriebskonzepten.
- Ausbau der Energieberatung.
- Ausarbeitung eines realistischen Energiekonzepts mit Festlegung von klaren Strategien.
- Reduktion von Ammoniak in der Tierhaltung und bei der Hofdüngerausbringung, Unterstützung und Förderung von entsprechenden Massnahmen.
- Reduktion der Feinstaubbelastung unter Einbezug der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit, sowie Festlegung eines realistischen Umsetzungshorizonts.
- Konsequenter und professioneller Vollzug der Luftreinhalteverordnung.

